Der Calasanz-Saal bildete den Rahmen für ein spannendes, erhellendes und informatives Pan Philosophicum. Die bewusst provokant gestellte Frage „Wozu Bundespräsident/in“ interessierte Jung und Alt aus den Reihen der Piaristner. Die unabhängige Kandidatin für die Wahl im April, Dr. Irmgard Griss, stellte sich der Diskussion und den interessierten Fragen des Publikums.

Die ehemalige Richterin griff den immer wieder gebrauchten Hinweis auf die Schweiz auf, wo sich die Bundesräte als „Staatsoberhäupter auf Zeit“ abwechseln. Und sie wies auf die geschichtliche Rolle der Habsburger hin: „Die Schweiz und Österreich trennt vieles auf diesem Gebiet. Überlegen wir doch einmal, wie es mit den Habsburgern war. Die Schweizer haben ihnen relativ rasch den Laufpass gegeben. Und in Österreich haben sie über 600 Jahre geherrscht. Also Österreich hat eine andere Tradition. Nicht zufällig residiert der Bundespräsident auch in der Hofburg und wird oft „Ersatzkaiser“ genannt.“

Für die Juristin ist dies aber noch nicht die schlüssige Erklärung, warum dieses Amt notwendig sei. „Gerade in der heutigen Zeit braucht es jemanden, der über den Parteien steht, der das Allgemeinwohl und Allgemeininteresse im Blick hat. In der momentan drohenden Polarisierung, was den Umgang mit Flüchtlingen betrifft, braucht es jemanden, der sagen müsste: Hört auf mit Schlagworten zu operieren.“ Griss argumentierte für den Rechtsstaat und zitierte den englischen Begriff „rule of law“. „Das Recht regiert – und dadurch, dass das Recht regiert, ist die Willkür der Politik ausgeschaltet“. Sie zählte weitere Handlungsnotwendigkeiten auf und zog für sich daraus den Schluss, dass „das Amt des Bundespräsidenten notwendiger ist als es je war.“

Die Generation Community war am Podium durch Maturanten/-innen der Jahrgänge 2012 und 2014 vertreten. Für Ana Kumin ist es wichtig, dass „der Bundespräsident eine gewisse Stabilität mitbringt. Nicht nur im Amt, sondern auch in der Persönlichkeit. Die Bevölkerung muss das Gefühl haben, von jemandem vertreten zu sein, der auch Verantwortung zeigt.“ Noah Schönhart glaubt nicht, dass man „nur ein passiver Bundespräsident/in sein kann, sondern es auch notwendig ist, überparteilich die Probleme anzusprechen.“ Er plädierte für das Amt des Bundespräsidenten, da es seiner Meinung nach weder sinnvoll noch machbar sei, in der Dreiteilung der Macht – Parlament, Regierung, Bundespräsident – dieses Amt zu streichen. „Es ist ganz wichtig, dass diese Macht nicht bei einem ‚Superkanzler' konzentriert ist."

Irmgard Griss sprach sich für Hearings für künftige Regierungsmitglieder im Parlament aus, glaubt, in Österreich „ein bißl Angst vor Transparenz“ zu spüren. Wenn sich dann ein Ministerkandidat hinstellen muss und gefragt wird: Was haben sie denn bisher gemacht? Was verstehen sie denn vom Ressort X oder Y? Dass man das fragt und dass das öffentlich geschehen könnte, das sind wir nicht so gewöhnt.“

Ana Kumin zeigte sich stolz, dass wir „das Recht haben, bei einer Wahl mitzubestimmen und da ist es für mich auch Pflicht, dieses Recht wahrzunehmen. Das Publikum nutzte die Chance, Irmgard Griss zu den verschiedensten Themen zu befragen. Diese Kommunikation setzte sich auch nach Ende der „offiziellen Diskussion“ mit der Kandidatin mehr als eine Stunde in kleinen Gruppen fort.   HD