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Wie abwechslungsreich, spannend und kurzweilig eine Führung sein kann, wurde den Altpiaristnern in der Nationalbibliothek unter Beweis gestellt. Mag. Anton Knoll entstaubte die Jahrhunderte alten Bücher und erweckte die Vergangenheit durch seine bildhaften Geschichten.

Das begann schon im Erdgeschoß, dem Treffpunkt im Aurum, das  früher als Pferdestall diente. Zu Maria Theresias Zeiten waren an die 15.000 Pferde in der Stadt. Und all die Tiere hatten auch einen Stoffwechsel. „Rechnen Sie sich die Menge aus, wenn ein Pferd bis zu fünf Liter Urin am Tag ausscheidet. Vom Kot ganz zu schweigen. Und das in einer Stadt, die keine Kanalisation hat…“ meinte Mag. Knoll humorvoll. „Man konnte diesem – und all dem anderen Mist – nicht Herr werden, also flüchtete man aus der Stadt in die Sommerfrische“.

Im ersten Stock, vor dem Prunksaal, demonstrierte er die Großmannssucht der Habsburger. Kleingewachsen, wie sie waren (Maria Theresia hatte mit 1,50 m so viel Kilo an Gewicht wie Zentimeter an Körpergröße), war es schon eine Herausforderung, die schwere Eingangstür zum Saal aufzusperren, da das Schloss ungewöhnlich hoch angebracht wurde. Die Dimensionen des Prunksaales mit fast 80 Metern Länge, 14 Metern Breite und 19 Metern Höhe sind schon beeindruckend. Die fast 30 Meter hohe Kuppel unterstreicht noch das herrschaftliche Bestreben, eine einzigartige Bibliothek zu schaffen. Zwei, drei Bücher der hier katalogisierten 200.000 konnten die Teilnehmer auch „begreifen“. Einziger Wermutstropfen bei diesem Rundgang war die Tatsache, dass der Saal – aus guten Gründen - nicht geheizt ist. Zum einen wäre es bei der Raumhöhe sinnlos verfeuertes Geld, zum andern würden die Luftfeuchtigkeit und das Kondenswasser den Büchern schaden. Man sollte den Prunksaal also entweder an heißen Sommertagen besuchen oder sich „warm anziehen“.

Im zweiten Teil der Führung wurde es wärmer. Der Augustiner Lesesaal beeindruckte durch das von Johann Baptist Wenzel Bergl, einem Schüler Paul Trogers, geschaffene Deckenfresko. Und natürlich wieder durch die historischen Schilderungen und die G’schichtln von Mag. Knoll. Nach behutsamen Adaptierungsarbeiten unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamtes im Jahre 2009 werden seit 2010 in dem nun modern, mit  WLAN ausgestatteten Lesesaal die Druckschriften bis 1850 und die Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek für die Leser/-innen bereitgestellt. Für die Altpiaristner hatte Mag. Knoll eine besondere Überraschung: Druckschriften aus den Bibliotheken der Piaristen in Ungarn, Krems und natürlich auch Wien.   HD

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