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Zum Pan Philosophicum strömten auch diesmal Jung und Alt. Im Calasanz-Saal wurden die bewusst provokante Frage „Wozu Bundespräsident/in“ diesmal von Dr. Alexander Van der Bellen beantwortet und argumentiert. Der ehemalige Bundessprecher der Grünen gab sich locker, aber auch süffisant-sarkastisch.

Im grauen Dreiteiler war er, samt Entourage, überpünktlich. Die Zeit bis zum Beginn nutzte er, um mit Wolfgang Kubelka Erinnerungen auszutauschen. Die beiden lernten einander kennen, als sie als Dekane an der Universität wirkten. Auf der Bühne verteidigte Alexander Van der Bellen die Funktion des Bundespräsidenten und plädierte für ein vereintes Europa im Gegensatz zur „Zwergerl-Staat-Mentalität“. Auf die Frage, ob er sein Gehalt auch – wie ein möglicher Mitbewerber – mit seiner Frau teilen würde, antwortete er trocken: „Nein“.

Die Gehaltsdiskussion löste einen interessanten Schlagabtausch aus. Van der Bellen meinte, der Bundespräsident verdiene etwa 10-12% mehr als der Bundeskanzler. „Das find‘ ich o.k. Soll er weniger verdienen als der Bundeskanzler? Dann bitte aufzeigen... ah, eine Stimme“. Diese „Stimme“ sprach sich dagegen aus und argumentierte, die politische Verantwortung und die Einflussnahme-Möglichkeiten machen einen Bruchteil derer des Bundeskanzlers aus. „Machen Sie einmal die Denkprobe und stellen Sie sich vor, Österreich habe ein halbes Jahr keinen Bundespräsidenten. Wenn aber Österreich ein halbes Jahr keinen Kanzler hätte?“ Van der Bellen nahm es zur Kenntnis und replizierte nur, dass „der Bundespräsident sowieso alles - jedenfalls in diesem Fall - akzeptiert, was der Nationalrat beschließt.“

Wie schon bei der Diskussion mit Dr. Irmgard Griss war die Generation Community am Podium wieder durch Maturanten/-innen der Jahrgänge 2012 und 2014 vertreten. Für Ana Kumin ist es spannend, wie „der Bundespräsident sich in das Amt einfügt und es gestaltet“. Noah Schönhart meinte, wenn Van der Bellen das Rennen machen würde, wäre er der erste „linke“ Präsident und fragte sich, was er dann beitragen könnte, um die Meinungsunterschiede zwischen Linken und Rechten beizulegen. Der Kandidat vertrat die Hypothese, ein neutraler Bundespräsident, „der weder aus dem roten noch aus dem schwarzen Lager kommt, der Dritter bei Tisch wäre, gut eine Art Moderator-Funktion wahrnehmen könnte“. Die Typisierung „grün / rot gesprenkelter Mediator“ nahm er lächelnd an.

Die Palette der Publikumsfragen reichte von Bildungsproblematik über Reisediplomatie bis zur allseits bekannten Thematik, wann würde er wen nicht mit der Regierungsbildung betrauen. Diese Kommunikation setzte sich auch nach Ende der „offiziellen Diskussion“ mit Alexander Van der Bellen fast eine Stunde in kleinen Gruppen fort.