Das Corona-Virus fordert auch von den Professoren /-innen bis jetzt ungewohnte Vorgangsweisen...

... sie müssen Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Verantwortung an den Tag legen. In ihrem Homeoffice sind sie gefordert, ihren Schülern Hausaufgaben zu stellen, zu verschicken, sie retour zu bekommen und nach der Korrektur Feedback zu geben. Viele haben dazu noch eigene Kinder, die auch betreut werden wollen. Und vom Haushalt nicht zu reden…
Regina Führer-Steiner unterrichtet Deutsch, Philosophie und Psychologie, ist Personalvertreterin und engagiert sich auch bei den Altpiaristnern im Vorstand. Im Gespräch mit Herbert Dobrovolny schildert sie, wie sie und  ihre Kollegen/-innen mit dem „Corona-Alltag“ umgehen.

Könntest du uns vorweg ein bisschen was über dich erzählen? Ein paar Eckdaten, persönliches Profil, deine Interessen.

Meine Laufbahn als Lehrerin habe ich am BRG 9 Glasergasse und am GRG 6 Rahlgasse als Musikerzieherin  begonnen. Nach der Geburt meines dritten Kindes habe ich beschlossen, Deutsch und PPP zu studieren. Rückblickend betrachtet gehört diese Entscheidung zu einer der besten, die ich je getroffen habe. Nach der Geburt meines fünften Kindes und der Karenzzeit bin ich in den Schulalltag zurückgekehrt. Nach Absolvierung des Unterrichtspraktikums am WMS/RG/ORG Anton-Krieger-Gasse durfte ich weitere Erfahrungen am GRG Radetzkystraße in den Fächern Deutsch und Musikerziehung sammeln ehe ich - durch eine glückliche Fügung - ans BG 8 gekommen bin.
Was macht mich persönlich aus? Ich liebe es, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten, und es ist mir ein großes Anliegen, die Begeisterung, die ich persönlich für meine Unterrichtsfächer verspüre, an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben zu können. Hierzu zählt die Liebe zum Lesen, zur Literaturgeschichte und zum Theater genauso wie die Leidenschaft, mich in psychologische Themen zu vertiefen. Natürlich hat auch die Musik einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben.

Privat gilt meine Liebe meiner Familie, meinem Mann und meinen fünf Kindern wie natürlich auch meinen drei Enkelkindern, die ich im Moment leider nicht besuchen kann.

Du bist seit mehr als einem Jahrzehnt am BG 8 tätig. Was hat dich motiviert, in der Personalvertretung aktiv zu sein?

Seit 13 Jahren unterrichte ich am BG8 und ich möchte auch betonen, dass ich mich an dieser Schule sehr „zu Hause“ fühle. Dieser Umstand ist zum einen den Schülerinnen und Schülern geschuldet, aber ganz besonders auch dem LehrerTEAM. Wir sind nicht nur am Papier ein Team, sondern leben dieses auch. Mit Sicherheit ist dieser Umstand auch ein Grund gewesen, ein Mitglied der PV zu werden. Die intensive Zusammenarbeit mit den Kollegen Groll und Macek schätze ich besonders. Ich denke, wir ergänzen uns in hervorragender Weise.

Das Schuljahr hat nach den Semesterferien eine völlig neue „Richtung“ genommen. Wie haben die Professoren/- innen den durch das Corona-Virus ausgelösten „Richtungswechsel“ aufgenommen?

Nach anfänglicher Überforderung – schnelles Reagieren war gefragt – läuft es jetzt ganz gut. Natürlich haben die Lehrkräfte mit Korrekturgegenständen sehr viel Arbeit, weit mehr, als wir ohnehin schon hatten.  Inhalte, die man im normalen Schulalltag in rund 40 Minuten behandeln kann, benötigen ein Vielfaches (so in Psychologie bis zu sieben Stunden) an Zeit, da man den Schülern und Schülerinnen auch Rückmeldungen geben möchte und natürlich auch soll. Wenn man diesen Aufwand auf die gesamten Aufträge hochrechnet, ist die Mehrbelastung enorm; abgesehen davon ist es sehr mühsam und zeitintensiv, Texte am PC zu korrigieren. Leider sind sich viele Eltern nicht im Klaren darüber und halten nicht hinter der Hand, die Lehrer zu kritisieren, hinter der Maske der Anonymität- versteht sich!

Wie wurde der Lehrkörper über die Maßnahmen bezüglich COVID 19 informiert?

Zum einen natürlich über die Medien, das Bildungsministerium, die Direktion wie auch die Gewerkschaft. Die PV ist stets bemüht, alle Informationen an unser Lehrerteam weiterzuleiten.

Wie war und ist die Zusammenarbeit mit den Eltern?

In der Unterstufe muss natürlich viel über die Eltern gespielt werden, Oberstufenschüler organisieren sich den Ablauf selbst, zumindest ist dies anzunehmen. Manche Eltern in der Oberstufe meinen jedoch, zu wenig eingebunden zu werden, sie wollen mehr Kommunikation mit dem Lehrer. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema: Die Jugendlichen der Oberstufe, zumindest ab der 6. Klasse, sollten die Schwelle zur Selbständigkeit schon überschritten haben und sich um ihre Aufgaben alleine kümmern können, schließlich sollen aus unseren „Kindern“ selbständig denkende, aufgeklärte Menschen werden.

Ich persönlich sehe das Problem nicht nur von Seiten der Schule, sondern sehr wohl auch von Elternseite. Es setzt mich doch immer wieder in Erstaunen, wie viele  Informationen Eltern über die Aufgaben ihrer Kinder haben, wann welches Referat zu absolvieren ist, was der Lehrer in welcher Unterrichtseinheit gesagt hat etc. Gibt es ein Problem, dann melden sich nicht die Schülerinnen und Schüler, sondern die Eltern.

Über die Arbeitsaufträge meiner Kinder, die während des „distance-learnings“ zu erledigen sind, weiß ich nicht wirklich viel zu sagen, da meine Kinder ihre Aufgaben alleine erledigen. Ich bin glücklich über die Selbständigkeit meiner Kinder und deren autonomes Handeln diesbezüglich.

Wie sehr wird am BG 8 die Möglichkeit genutzt, Kinder in die Betreuung zu schicken?

Es wurde, respektive wird für jeden Tag ein Journaldienst eingeteilt – sowohl für den Vormittag als auch Nachmittag, der kaum bis nicht in Anspruch genommen wird. Zumindest bis zum heutigen Tag. Wie es nach Ostern weitergehen wird, das wird man noch in Erfahrung bringen.

Wie haben denn deine Schüler/-innen reagiert. Du bist ja auch Klassenvorstand der 4A.

Zu Beginn war die Unsicherheit vorherrschend; es war ja zunächst von Seiten der Regierung angedacht, die Oberstufenschüler ab dem 16. März von zu Hause aus zu unterrichten, die Unterstufenklassen jedoch erst ab 18. März. Einige Lehrer haben schnell reagiert und die Arbeitsaufträge für die Zeit vor Ostern mit nach Hause gegeben. Ich habe meinen Schülerinnen und Schülern geraten, auch alle Bücher mitzunehmen, da ja auch mit diesen gearbeitet werden soll. Probleme hat es bei Kindern gegeben, die Tage zuvor schon nicht mehr in der Schule gewesen sind und so manche verteilte Unterlagen nicht erhalten haben.

Laut Rückmeldungen von Seiten der Eltern arbeiten die einzelnen Lehrpersonen mit unterschiedlichen Medien und Plattformen. Ich weiß, dass meine Klasse (4A) in dieser Hinsicht sehr firm ist und auch dieses Problem zu lösen weiß. Für meine Klasse habe ich nun auf  „Teams“ eine Gruppe erstellt, um leichter mit den Kindern kommunizieren zu können.

Was sind aus Lehrer/-innen-Sicht nun die größten Herausforderungen für die Schüler/-innen?

Wie schon gesagt - zum Teil die Arbeit über verschiedene digitale Medien und dass man sich vor Augen halten muss, dass nicht in jeder Familie jeder uneingeschränkt Zugriff auf das Internet respektive einen PC hat. Die jüngeren Schüler brauchen Hilfe und Unterstützung von den Eltern. Für Schüler/-innen ist es wichtig, eine Rückmeldung zu der geleisteten Arbeit zu bekommen. Auch wenn Schülerinnen und Schüler Materialien (Arbeitsblätter, Hinweise auf Dokumentarfilme, Materialien aus dem Internet,….) bekommen, so liegt es trotzdem an jedem Einzelnen, autonom, gewissenhaft und mit Konsequenz seinen Aufträgen zu folgen.

Besonders jedoch leiden die Kinder darunter, nicht in die Schule gehen zu können. Der physische Kontakt und der rege Austausch mit den anderen Kindern/Jugendlichen wie auch mit dem Lehrkörper (man sollte es nicht glauben J ) ist sehr wichtig und wird in dieser Zeit jedem Einzelnen sehr bewusst. Auch uns Lehrern.

Gab und gibt es für dich als engagierte Lehrerin besondere Aufgaben oder Herausforderungen während der Umstellung zum „Distance-Learning“?
Um wieviel größer ist die Arbeitsbelastung als im „normalen“, gewohnten Unterricht?

Wie ich schon erwähnt habe, ist der Arbeitsaufwand unverhältnismäßig groß, das hätte ich mir vor ein paar Wochen nicht vorstellen können. Einerseits müssen Aufträge so formuliert werden, dass diese für die Schülerinnen und Schüler verständlich sind, andererseits muss ich alles auch lesen, korrigieren und wieder zurückschicken. Manche Inhalte ließen sich im Unterricht in einer Einheit durch gemeinsame Gespräche erarbeiten, nun kommuniziere ich mit jedem Einzelnen aus der Klasse. Bei einer Klassengröße von 30 Schülerinnen und Schülern kommt man da im Schnitt auf zehn Stunden.

Manche Schülerinnen und Schüler sind untergetaucht und es ist oft nicht einfach, Arbeiten zu erhalten, was so manche Herausforderung bietet.

Was wir von den Kindern und Jugendlichen „einfordern“ dürfen oder auch nicht, hat sich immer wieder geändert. Jeder Einzelne in unserem Team ist bemüht, ein ausgewogenes Verhältnis der Lerninhalte zu vermitteln. Der Grat zwischen Unter- und Überfordern ist schmal, basierend auf der individuellen Belastbarkeit und dem Vorhandensein von Ressourcen.

Wie belastend ist das „Homeoffice“ für Dich und Deine Familie?

Bei mir zu Hause arbeitet jeder im „Homeoffice“. Dazu muss ich ehrlicherweise anmerken, dass wir zu den privilegierten Familien gehören, in der jeder seinen eigenen PC mit Internetanschluss hat, was aus beruflichen Gründen anders nicht möglich wäre.

Meine Tochter hat Tage hinter sich, an denen sie bis zu zehn Stunden an ihren Aufträgen  gearbeitet hat. Ihr größtes Problem ist, dass ein Zugang auf eine von der Schule eingerichtete Plattform nicht funktioniert und dieser Missstand nach drei Wochen noch immer nicht behoben wurde.

Kann deiner Erfahrung nach eine adäquate Maturavorbereitung nun gewährleistet werden? Wenn ja, wie wird hierbei vorgegangen?

Wenn man siebeneinhalb Jahre die Schule aktiv besucht hat, seine Jahrgangsabschlüsse vorweisen kann, so ist es durchaus möglich, auch eine schriftliche Matura abzulegen. Üben und Lernen kann man auch von zu Hause aus. Im Hinblick auf die mündliche Reifeprüfung verstehe ich, dass die Kandidatinnen und Kandidaten Unterstützung brauchen und nicht alleine gelassen werden sollten. Deshalb finde ich die Entscheidung von Heinz Faßmann, eine „verschlankte Matura“ durchzuführen, nachvollziehbar und begrüße diese sehr.

Was würdest du dir von den politischen Entscheidungsträger/-innen in den kommenden Wochen für den Schulalltag erwarten bzw. wünschen?

Konkrete Richtlinien wären für viele im Schulalltag Eingebundene sehr hilfreich. Andererseits verstehe ich, dass auch die Regierung in dieser „Sache“ immer nur schrittweise vorgehen kann. Ich persönlich habe kein Problem, auch auf längere Sicht gesehen im Modus des „distance-learnings“ zu unterrichten, denn für mich persönlich hat die Gesundheit oberste Priorität.

Gibt es noch etwas, was du uns wissen lassen möchtest?

Schaut auf euch und eure Familie. Schützt euch, so schützt ihr die anderen Menschen J ! Ich denke, wir gehen gestärkt und mit vielen neuen Erfahrungen aus dieser Situation heraus.

Das Gespräch wurde am 8.4.2020 online gestellt

 

Die Botschaft des Professoren/-innen - Teams an die Schulgemeinschaft:
Wir bleiben zuhause und nehmen auf die Schwächsten Rücksicht.
Wir unterrichten digital mit vollem Einsatz und großer Motivation!
Gemeinsam machen wir die Krise zur Chance.
Gemeinsam schaffen wir das.

Euer BG8-Team