MJg 1995 / Schriftstellerin

Für die Professoren kam es ebenso überraschend wie für die Klassengemeinschaft. Niemand rechnete damit, dass nach 19 Jahren wieder einmal alle die Reifeprüfung schaffen. In der Schrecksekunde konnte auch keine Weiße Fahne aufgetrieben werden. Und so kündete 1995 ein ins Fenster geklemmtes Leintuch vom Erfolg der Fünfzehn und ihrer Parallelklasse.


Überraschend war für Marie-Theres Stremnitzer während ihrer Schulzeit so einiges: Die Begeisterung, die Frau Professor Wieland bei ihr für Altgriechisch wecken konnte, die Zufälligkeit des erstmaligen Schulversuches mit Italienisch ab der 6. Klasse. So erübrigte sich die Notwendigkeit, bei HHL in Englisch maturieren zu müssen. Und so entstand die Liebe zu Italien. Die Wurzeln bildeten sich bei der Klassenfahrt in der Sechsten heraus, als Marie-Theres in Rom stand. Und sie entwickelten ihre Äste beim Erasmusstipendium in Perugia.

Schon mit zehn Jahren war ihre Begeisterung für Oper und Theater ausgeprägt. „Ich suchte mir die Inszenierung aus, wurde vor der Oper abgegeben und nach der Vorstellung wieder abgeholt“ erinnert sich die Studentin der Germanistik und Theaterwissenschaft, die es ziemlich magerlt, die Diplomarbeit noch immer nicht geschrieben zu haben. „Das ist so, wie wenn man beim Marathon 50 Meter vor dem Ziel aufhört“. Aber noch während des Studiums begann sie ein Praktikum am Burgtheater. Aus drei Wochen wurden fünf Jahre, in denen sie als Regieassistentin bei Luc Bondy, Stephan Kimmig, Karlheinz Hackl, Karin Beier e.a. und als Regisseurin arbeitete. Ein Ergebnis der „Prägung“, die sie bei den Piaristen erfahren hat. „Frau Professor Abele hat meine Liebe zum Schreiben, zu Büchern und Literatur gefördert. Nicht zuletzt deshalb studierte ich Germanistik.“

Studentisch ist sie erst später in Ludwigsburg ins Ziel gekommen. Dort studierte sie an der Filmakademie Baden-Württemberg Drehbuch. Da sie währenddessen aber auch „von etwas leben musste“ begann sie journalistisch für Media Biz und im Corporate Publishing zu arbeiten. Speziell die Herausforderungen, für die verschiedensten Firmen die unterschiedlichsten Themen zu bearbeiten, freuen sie. Ihre „geheime Liebe“ war doch immer das Schreiben. Nicht so sehr jenes für den Film, denn „da ist alles, was nicht im Drehbuch steht auch nicht auf der Leinwand zu sehen“. Nein, das Schreiben von Romanen ist ihre wahre Liebe, denn „da kann man die Räume, die Einzelheiten, die Figuren in den Köpfen der Leser entstehen lassen“.

Was entsteht nun in Ihrem Kopf, wenn Sie die folgenden Worte lesen: „Angezogen wäre das nicht passiert“?
Es ist der – hoffentlich auch Sie – neugierig machende Titel des ersten Romans von Marie-Theres Stremnitzer: Die auf 304 Seiten zusammengefasste Suche der drei Schwestern Luisa, Loredana und Leonie nach dem richtigen Mann. Zitat aus der Verlagsbeschreibung: Während Leonie schwanger in Paris hockt und Loredana glücklich verbandelt in Buenos Aires, stolpert Luisa höchst charmant und verzweifelt durch Wien. Wo sind nur all die guten Männer hin?

Die Antwort gibt es (wahrscheinlich) bei der Premierenlesung am 12. September in der Buchhandlung Frick am Graben und (sicher) um €10,90 in Ihrer Buchhandlung (ISBN: 978-3-8333-0976-2).   HD / Aug. 2014